An früherer Stelle habe ich ja schon berichtet, dass mich die netten Herren mit den langen Mänteln in der EOS besucht hatten und mich davon überzeugt hatten, lieber Offizier bei der Staatssicherheit zu werden. Allerdings sollte mein späterer Arbeitsort nicht irgend eine Bezirksdirektion sein, sondern das Wachregiment „Felix Dserschinski“ in Berlin.

So kam also der große Tag der Vereidigung. Dieser fand in der Dienststelle Adlershof statt.
Auf dem Gelände in Adlershof gab es viel zu sehen. Menschen, Fahrzeuge und die Kaufhalle. Warum erwähne ich diese? Das war nicht irgend eine Kaufhalle. Hier gab es auch Sachen, die man sonst nur im Intershop zu Gesicht bekommen hat. Ich erlebte hier das erste mal – alle Menschen sind gleich – nur manche gleicher. In diesem Moment war ich aber eher froh, dass ich da auch rein durfte.
Die Vereidigung fand in FDJ- Bluse statt. Das fand ich schon sehr eigenartig.
Den Rest des Tages verbrachte ich mit administrativen Sachen – und mit Haare schneiden. Da die Stasi keine eigene Hochschule hatte, mussten die Offiziersanwärter auf die Hochschulen der NVA und der Polizei aufgeteilt werden. Ich hatte großes Glück. Mein Wusch nach Dresden an die Polizeischule zu kommen, wurde erhört. Das hatte einen wesentlichen Vorteil. Von hier fuhr die Bahn direkt nach Frankfurt (Oder). Von NVA- Schulen wie in Bautzen brauchte man fast einen Tag für die Heimreise.
Das Studium an der Hochschule des MDI
heute ist hier das Landeskriminalamt Sachsen untergebracht
Das Studium an der Polizeihochschule war schon ziemlich straff organisiert. Vor allem war man kaserniert und eigentlich ein ganz normaler Wehrpflichtiger.
Zeitiges Wecken, Frühsport, Frühstück, Morgenappel – und dann ging es im Marschschritt zum Studium. Und wehe einer hat nicht aufgepasst oder ist eingenickt. Da konnte es schon mal vorkommen, dass die ganze Truppe nach Feierabend die Vorlesung widerholen musste. Das hatte zur Folge, dass diejenigen, die gerne am Abend in Ausgang gehen wollten, das abhaken konnten.
An der Hochschule in Dresden gab es dann noch eine Vereidigung. Da ich ja schon vereidigt war, brauchte ich dort nicht mitsprechen, aber ich musste teilnehmen. Das bedeute, dass vorher richtig Stress mit Marschieren und Exerzieren und unzähligen Proben war.
Nach der Vereidigung gab es am letzten Septemberwochenende zum ersten Mal Kurzurlaub.
Wie ich im ersten Urlaub meine Frau kennen lernte
Dresden Neustadt – rein in den Zug und ab nach Hause.
Am Abend bin ich in Frankfurt (Oder) zur Disco in den Club „Handel 80“ gegangen. Ganz allein. An einem anderen Tisch saßen 4 Mädels. Eine sah ganz nett aus. Irgendwann habe ich mich dann getraut, sie zum Tanzen aufzufordern.
Gefunkt hat es da aber noch überhaupt nicht. Aus Mangel an Frauenbekanntschaften hatte ich mich aber mit ihr wieder verabredet.
Sie studierte in Frankfurt (Oder) an der pädagogischen Fachschule und wollte Kindergärtnerin werden. Sie wohnte eigentlich in Eberswalde.
Diese Bekanntschaft sollte mein Leben verändern.
Aber es hätte auch ganz anders laufen können. Im nächsten Urlaub kam ich nämlich meiner großen Jugendliebe Nicola unerwartet näher. Ich habe ihr dann aber ehrlicherweise erklärt, dass das mit uns nichts wird, da ich eine andere kennengelernt habe.
Zuerst schrieb ich meiner Kerstin täglich einen Brief, dann täglich zwei und manchmal auch noch mehr. Im Wochenendausgang fuhr ich mit meinem Zimmergenossen Schulle mit seinem Motorrad „schnell mal“ nach Frankfurt (Oder). Wenn ich Glück hatte, war meine Kerstin im Internat. Wenn ich Pech hatte, war sie noch zu Hause in Eberswalde. So entwickelte sich so ganz langsam eine Beziehung. Und sie konnte mich am Anfang eigentlich überhaupt nicht leiden. Kann ich gar nicht verstehen.😏
Diese Beziehung war natürlich für mein Studium Gift. Das Interesse ließ merklich nach. Ich wollte natürlich so oft wie möglich nach Hause. Dazu kam der große Druck der Hochschule, endlich in die Partei einzutreten. Ich war einer von zwei Studenten, die noch nicht in der Partei waren. Als Student vom MfS ging das natürlich überhaupt nicht. So hatte ich schon einige hitzige Debatten und Vorladungen vom Verbindungsoffizier. Ich bestand darauf zu warten, bis ich zum Eintritt in die Partei bereit bin. Quoten sollen andere erfüllen.
Das fand man natürlich nicht so nett.
Fortsetzung folgt
